Erlesene Freuden
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Auferstehung der Toten

Einführung in den Grund des Glaubens

Klaus P. Fischer

ISBN: 9783844818451

116 Seiten, € 9,90

 

Vorwort

Meinungs- und Bekenntnis-Umfragen enthalten ein Unsicherheitsrisiko. Die Befragten – die Frau oder der Mann von der Straße – verstehen oft die entscheidende Frage nicht, sind unsicher, schwanken, antworten nicht wahrheitsgemäß oder heute so und morgen so. Häufig werden die Fragen nicht eindeutig gestellt.

Beispielsweise, wenn gefragt wird, ob man „an ein Leben nach dem Tod“ glaube. Das kann entweder Glaube an eine unsterbliche Seele, an Wiedergeburt, oder an die biblische Auferstehung der Toten bedeuten. Wer diese Aussagen nicht unterscheidet und in einen Korb legt, wirft Äpfel, Birnen und Orangen zusammen nach dem Motto: Hauptsache Obst! So verfuhren die Organisatoren von Umfragen in den letzten Jahren. Es ist verwunderlich, dass auch die EKD hier bei einer Bertelsmann-Umfrage 2009 keinen Unterschied erkannte und – die Ergebnisse resümierend – feststellte, zwei Drittel der Deutschen glaubten „an Auferstehung“(!).

Immerhin musste man einräumen, dass in Ostdeutschland dieser Glaube weniger verbreitet ist als im Westen, dass ältere Menschen hier mehr Glaubensschwierigkeiten haben als jüngere, und dass es unter Männern und Protestanten mehr Zweifler gibt als unter Frauen und Katholiken. Die letzten Umfragen ergaben jedoch einheitlich, dass nur etwa ein Drittel der Befragten überhaupt „fest“ an ein (wie immer geartetes) Leben nach dem Tod glaubt. Der nüchterne Schluss daraus lautet, dass nur etwa 10% bis 15% der Deutschen – der Christen – an die biblische Botschaft von der Auferstehung der Toten glaubt.

Das ist auffällig, wenn man bedenkt, dass der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung etwa 60% beträgt. Muslime zeigen, den Befragungen zufolge, ein signifikant deutlichere Glaubensstärke, was das Leben nach dem Tod angeht. Offensichtlich wird der zuständige Glaubensartikel „Wir glauben ...“ bzw. „Ich glaube ... an die Auferstehung der Toten“ im Großen (Nizäno-Konstantinopolitanischen) und kleinen (Apostolischen) Glaubensbekenntnis bei verschiedenen Gelegenheiten zwar rezitiert, aber wenig geglaubt. Oft sind Unglaube und Unsicherheit in mangelndem Verständnis begründet, was zum Teil auch daran liegt, dass dem Unverständnis dieses Glaubensartikels in Unterricht, Predigt, Kasual-Ansprache u.ä. zu wenig entgegengearbeitet wird. Viele in der Verkündigung Tätige halten – grundsätzlich zu Recht – die Hörer zu sozial-karitativem Verhalten an, tun dies aber auch bei Gelegenheiten (zB an Hochfesten), wo es angezeigt wäre, die biblische Gottes- und Glaubens-botschaft dem Verständnis zu erschließen.

Die Erneuerung der Liturgie, wie sie das 2. Vatikanische Konzil beschloss, sah wohl begründet vor, dass die „Geheimnisse des Glaubens“ zuerst, dann die „Richtlinien für das christliche Leben dargelegt werden“ (Liturgie-Konstitution Nr.52; vgl. Nr.24).

Die Nötigung, die – wenig später – vom damaligen Zeitgeist (68er Revolution) auf die Institutionen ausging, „sich gesellschaftlich zu legitimieren“, hat offensichtlich stark auf die Kirchen, ihr Personal und ihr Handeln eingewirkt. Eine Schieflage, wo sie entstanden ist, sollte korrigiert werden. Das Konzil hat das Bedürfnis gesehen und gut geheißen, für die Gläubigen und alle Interessierten Angebote einer grundlegenden Einführung (Initiation) in das christliche „Geheimnis des Glaubens“ zu erarbeiten.

Als Antwort auf dieses Bedürfnis entstand zunächst der „Holländische Katechismus“, sodann als ökumenische Produktion „Das Neue Glaubensbuch“, dem auf offiziell katholischer wie evangelischer Seite sorgfältig erarbeitete Katechismen für Erwachsene folgten, bis der neue Römische Katechismus die Reihe abschloss.

Im gleichen Zeitraum entwarfen namhafte Theologen (Ratzinger, Rahner, Schillebeeckx, Küng, de Lubac, Biser u.a., auf evangelischer Seite zB Ebeling, Zahrnt,

Schlink, zuletzt Ritschl-Hailer) tiefgründige Einführungen in das Christentum. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war, wie es scheint, das Bewusstsein, das Glaubens-Verständnis je neu vermitteln zu müssen, viel wacher als heute, im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, wo Verantwortliche nicht selten tun, als verstünden sich die Glaubensinhalte von selbst oder als käme es nicht so genau darauf an, was die Leute glaubten, als dass sie glaubten.

Die Frage nach der Auferstehung der Toten benötigt nicht nur eine Sachklärung – was ist (nicht) gemeint? – , sondern bietet zugleich Gelegenheit der Hinführung zu Grundlagen des christlichen Glaubens überhaupt.

Der Haupttext wendet sich an alle Interessierten; Anmerkungen sind für Fachleute gedacht.

Klaus P. Fischer


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