Erlesene Freuden
Adlerstein Verlag
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Christsein als Alternative

Über Selbstfindung durch Glauben

von Klaus P. Fischer

72 Seiten, € 6,00

ISBN-Nr.: 9783981419528

 

VORWORT

Vor etlichen Jahren machte das Wort „alternativ“ die Runde. Nicht wenige Menschen suchten nach einer „alternativen“ Lebensweise, alternativ zur bürgerlichen, kapitalistischen, selbstzufriedenen Gesellschaft; alternativ auch zur Option für Gewalt und Ausbeutung im Konflikt der Systeme, alternativ auch zur rücksichtslosen Ausbeutung der Rohstoffe des Planeten. In jenen Jahren galt als „Alternativer“ jemand, der sich schon durch die Art, sich zu kleiden, von der sogenannt normalen Gesellschaft unterschied, aber auch ein „Aussteiger“, der aus den regulären Lebensoptionen der Gesellschaft ´ausstieg`, um sich an deren Rand oder außerhalb für ein frugales, aber selbstbestimmtes Leben niederzulassen.

Auch die Christen waren von Anfang an „Alternative“ zu ihrer jeweiligen Gesellschaft, was ihnen damals und bis heute nicht selten Benachteiligung, ja Verfolgung einbrachte und einbringt. Allerdings wollten und wollen heute nicht wenige den Eindruck vermeiden, aus dem Rahmen des Normalen zu fallen, und sind sehr darauf bedacht, in der Gesellschaft nicht als anomal aufzufallen. Doch andere, zunehmend junge Menschen haben das Gefühl, die Leistungs- und Konsumgesellschaft vermittle ihnen wesentlich nur materielle, diesseitige Normen, lasse sie jedoch, bei all ihrer weltanschaulichen Offenheit, in Fragen nach Lebenssinn und ethisch-humanen Bezügen allein: Hauptsache sei, dass man in seinen jeweiligen Pflichtbereichen so gut wie möglich ´funktioniere`, Persönliches sei eben „privat“ und dürfe Funktion und Leistung nicht berühren; vielmehr müsse jemand, um vorwärts zukommen, die Bereitschaft haben, „mit den Wölfen zu heulen“ und notfalls Skrupel zu unterdrücken.

Denn – so souflieren die Meinungsmacher – „jede(r) ist ersetzbar“. Auch lebt in der säkularen Gesellschaft eine sich verstärkende Neigung, Gott und Glaube als überflüssig, für das reibungslose Funktionieren sogar schädlich zu suggerieren.

Was bei diesem Bestreben nicht so offensichtlich ist: wo Gott und Glauben als überflüssig angesehen werden, wird bald auch der einzelne Mensch überflüssig und sein Schicksal uninteressant.

Die meisten von uns können nicht außerhalb der Gesellschaft leben. Doch können wir in der Weise „alternativ“ werden, dass wir lernen, uns ein eigenes Urteil zu bilden – ein eigenes Urteil auch aus den Quellen des Glaubens, um daraus Kraft und Mut zu schöpfen zu kritischer Distanz und Eigenverantwortung mit der Courage, gewonnene Einsichten auch an geeigneter Stelle in Vorgänge und Mechanismen der Gesellschaft mit einzubringen.

So könnten wir beitragen, sie humaner zu gestalten, nämlich im Sinne der „Menschenfreundlichkeit Gottes“, wie er sie in Jesus Christus gezeigt hat.

Denn Jener, der ´Ur-Christ` schlechthin: Jesus Christus, er verstand die Menschen, ging auf sie zu, beriet und heilte viele, brachte ihnen sein befreiendes Wissen um Gott und von Gott nahe. Freilich konnte er es nicht hindern, dass er sich damit auch Feinde schuf. Die ihm folgen, müssen damit rechnen, ebenfalls von manchen abgelehnt, als „Toren“ oder „Narren“ abgetan (1Kor 4,10. 13) zu werden. Es ist dies das Kreuz der Nachfolge, wie es schon Paulus an sich selbst erfahren hat.

Hinzu kommt ein weiterer Gesichtspunkt. Die Frage des Philippus an den äthiopischen Kämmerer: Verstehst du auch, was du liest ... hörst, überliefert bekommen hast? (Apg 8,30), diese Frage gewinnt in jeder Generation neue Aktualität. Sie ist nie endgültig – im buchstäblichen Sinn endgültig – beantwortbar. Christlicher Glauben weiß und ringt um das „Gotteswort im Menschenwort“. Jeder Zeit ist das Bemühen aufgegeben, mit ehrfürchtigem Tastsinn das lebendige Gotteswort unterscheiden zu lernen von erstarrten Formen vergänglichen, menschlichen Meinens, Deutens und Denkens. Das wird in diesen kurzen Überlegungen versucht. Vielleicht sind sie eine kleine Hilfe für den Auftrag an Christen, allezeit bereit zu sein zur Rechenschaft über die Hoffnung, die in ihnen lebt (1Petr 3,15).

Hinweis: Bibelzitate sind, wo nicht anders angegeben, vom Verfasser übersetzt.

Klaus P. Fischer


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